Mehlspeisen

Es war ein ganz besonderer Wettbewerb:
Anlässlich der Stadtjubiläumsfeier "500 Jahre Baden" im Jahr 1980 erinnerte man sich einer alten Spezialität, des "Badener Kipferls". Da es kein Rezept von früher mehr gab und nur mündliche Überlieferungen existierten, wurde unter der Bäckerschaft damals ein eigener Wettbewerb abgehalten. 

Dabei landete Bäckermeister Otmar Schneider mit einer Kreation aus süßem Briocheteig mit Rumrosinen einen flaumigen Hit. Das neue "Badener Kipferl" geriet so wohlschmeckend, dass eine sichtlich begeisterte Verkosterin vergnügt dichtete:
"Willst Du vom Glück ein kleines Zipferl - Genieße Baden und sein Kipferl".
Die wiederentdeckte Köstlichkeit wird heute noch standesgemäß bei uns, in Badens ältester Bäckerei hergestellt.
Als Nachfolger seines Vaters ist jetzt Bäckermeister und Konditormeister 
Manfred Schneider der "Herr der Kipferl"!

Der Legende nach begann der Siegeszug des Gebäcks in Österreich mit einer Niederlage: Als die Türken 1683 nach der vergeblichen Belagerung Wiens in die Flucht geschlagen wurden, ließen sie nicht nur Zelte und Waffen zurück, sondern auch "Brötchen" in Form des türkischen Halbmondes. Liebevoll "Kipferl" getauft und gern in den ebenfalls von den Osmanen mitgebrachten Kaffee getunkt, wurde das wohlschmeckende Geschenk bald zum fixen Bestandteil heimischer Kaffeehauskultur. 

Das in Baden produzierte Gebäck nahm unter "Kipferl-Kennern" aber stets eine Sonderstellung ein und wurde von dem Lyriker Heinrich von Littrow sogar in einem eigenen Gedicht verewigt. Eine besondere Vorliebe für das Kipferl schrieb man auch dem Humoristen Moritz Saphir zu. Nach dem ersten Weltkrieg herrschte allgemeine Nahrungsknappheit und die Lust auf Mehlspeisen ging dementsprechend zurück. Das Kipferl verschwand allmählich aus den Backstuben Badens und existierte bald nur mehr als süßer Traum.

Doch diesmal wird das "Badener Kipferl" dank der großen Nachfrage nicht mehr so schnell in Vergessenheit geraten.